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URSACHEN EINER ABHÄNGIGKEIT |
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Die Entwicklung
einer Abhängigkeit
ist ein
multifaktorieller
Prozess...
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Für die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit gibt es bis heute
kein einheitliches Erklärungsmodell. Was beim Einzelnen zu einer
Alkoholproblematik führt, ist individuell sehr unterschiedlich und
meist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ganz klar kann jedoch
mit einigen Vorurteilen aufgeräumt
werden, die im Zusammenhang mit Alkoholabhängigkeit immer wieder
genannt werden:
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Persönlichkeit:
Alkoholabhängigkeit ist keine Charakterfrage. Alkoholabhängige
sind keine besonders labilen, willensschwachen oder unbeherrschten
Personen. Die oft zitierte Suchtpersönlichkeit ließ sich
nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen.
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Vererbung
Auch wenn Angehörige von Alkoholabhängigen ein
erhöhtes Risiko haben, ebenfalls eine Alkoholabhängigkeit
zu entwickeln, kann man keinesfalls davon sprechen, dass die Erkrankung
selbst vererbt wird. Was anscheinend vererbt wird, sind körperliche
Faktoren wie Alkoholverträglichkeit bzw. Alkoholabbaukapazitäten.
Eine erbliche Vorbelastung allein reicht nicht aus, um eine Abhängigkeit
zu entwickeln.
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Schwere Kindheit / Schicksalsschläge
Nicht alle Alkoholabhängigen hatten eine schwere Kindheit oder
ein besonders schweres Leben vor Entwicklung ihrer Erkrankung. Anders
herum entwickelt auch nicht jeder Mensch, der unter schwierigen
Bedingungen in der Kindheit gelitten hat bzw. harten Schicksalsschlägen
ausgesetzt war, eine Alkoholabhängigkeit. Ein Vergleich von
Lebensläufen von alkholabhängigen und nicht abhängigen
Personen brachte keinerlei Unterschiede zu Tage.
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Die Entwicklung einer Abhängigkeit ist keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung,
sondern ein komplexer, multifaktorieller Prozess, der in den meisten Fällen
über einen längeren Zeitraum hinweg schleichend verläuft.
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...Ein Teufelskreis
aus Trinken,
unangenehmen
Nebenerscheinungen,
erneutem Trinken
entsteht...
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A
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Ein
biologisches Entstehungsmodell von Alkholabhängigkeit
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Wie sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt hat - und was wahrscheinlich
viele durch eigene Erfahrungen kennen gelernt haben - hat Alkohol eine
Wirkung in zwei Phasen. Die erste Phase zeichnet sich durch angenehme
Veränderungen aus, es werden vermehrt Endorphine, körpereigene
Glückshormone, ausgeschüttet.
Daher spricht man hierbei von der angenehmen
Hauptwirkung. Dies wird je nach Situation vom Betroffenen als Beruhigung,
Entspannung, Schmerzlinderung, Enthemmung, verbesserte Stimmung oder Stärkung
erlebt. Diese Wirkung tritt sofort bei Trinkbeginn ein, hält allerdings
nur so lange an, wie der Alkoholspiegel im Blut steigt.
Beim Abfallen des Alkoholspiegels durch die beschriebenen Abbauprozesse
in der Leber setzt die sogenannte unangenehme
Nebenwirkung von Alkohol ein. Nebenprodukte des Abbauprozesses
führen dazu, dass im Gehirn weniger Endorphine produziert werden,
die ursprüngliche Wirkung von Alkohol wird demnach in dieser Phase
umgekehrt. Der Betroffene kann diese Phase als Unruhe, Unlust, Gereiztheit,
Verstimmung, Müdigkeit oder Kater erleben. Bei lang andauerndem Alkoholkonsum
entwickelt der Körper außerdem einen zusätzliches Enzym
zum Abbau von Alkohol (MEOS), das zwar den Abbauprozess beschleunigt,
allerdings auch dazu führt, dass die unangenehmen Nebenwirkungen
schneller und heftiger einsetzen.
Diese unangenehmen Nebenwirkungen von Alkohol klingen ab, wenn wiederum
Alkohol getrunken wird. Bei fortgesetztem, starkem Alkoholkonsum kann
es nun zu einer langsamen Anhäufung dieser unangenehmen Nebenwirkungen
kommen, was schließlich zur Entwicklung der oben beschriebenen Entzugssymptome
führt. Da wiederum Alkohol ein wirksames Mittel gegen diese Entzugserscheinungen
darstellt, kommt der Betroffene schnell in einen Teufelskreis aus Trinken,
unangenehmen Nebenwirkungen, erneutem Trinken, stärkeren Nebenwirkungen
usw.
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B
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Ein
psychologisches Modell zur Abhängigkeit
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Wie oben bereits erwähnt, gibt es selten das eine auslösende
Ereignis, das den Schalter vom normalen Trinkverhalten in eine Alkoholabhängigkeit
umlegt. Vielmehr handelt es sich in den meisten Fällen um eine schleichende
Entwicklung. Die ersten Erfahrungen mit Alkohol sind oft gekennzeichnet
durch Neugier oder Unsicherheit in bestimmten Situationen (erste Parties,
Discobesuche). Auch das Verhalten anderer spielt eine große Rolle.
Haben Freunde bereits Erfahrungen mit Alkohol gesammelt, möchte man
nicht als Spielverderber daneben stehen, vor allem dann nicht, wenn eine
angenehme Wirkung des Trinkens versprochen wird.
"Das erste Mal”
Die Wirkung von Alkohol ist dann zunächst auch sehr positiv. Man
fühlt sich sicherer, hat weniger Hemmungen, was gerade in dem Alter,
in dem die meisten die ersten Trinkerfahrungen machen, ein entscheidender
Faktor ist. Selten führt der erste Alkoholkonsum zum Rausch mit starken
Nebenwirkungen, so dass eine angenehme und gute Erinnerung an das "erste
Mal” bleibt. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, in ähnlichen
Situationen in der Zukunft ebenfalls Alkohol zu trinken. So wird das Trinken
in bestimmten Situationen immer mehr zur Regel, eine Party, ein Kneipenbesuch
ohne Alkohol ist nur noch schwer vorstellbar. Dafür kann es ganz
unterschiedliche Gründe geben. Zum Teil wird von außen erheblicher
Druck zum "Mittrinken” erzeugt, zum Teil ist es auch die erwartete
Wirkung von Alkohol, die einen nur schwer darauf verzichten lässt.
Individuelle Trinkmotive
Die Situationen, die den Einzelnen besonders zum Trinken verleiten, sind
individuell unterschiedlich und hängen von den persönlichen
Erfahrungen ab. Während der eine Alkohol hauptsächlich in Gesellschaft
seiner Freunde trinkt und Angst hat, nicht als "ganzer Kerl”
zu gelten, wenn er nicht mittrinkt, setzt ein anderer Alkohol möglicherweise
hauptsächlich dazu ein, Stress abzubauen und zu entspannen. Das heißt,
die einheitliche Trink- bzw. Risikosituation gibt es nicht. Entscheidend
ist, ob der Betreffende noch die Möglichkeit hat, sich in diesen
Situationen für oder gegen Alkohol zu entscheiden, oder ob diese
Entscheidung quasi automatisch abläuft.
Dass die Entscheidungsfreiheit eingeschränkt ist, merken viele erst
zu spät. Bei dem Versuch, den eigenen Alkoholkonsum einzuschränken
oder einzustellen, stellen sie fest, dass für die typischen Trinksituationen
kaum noch Verhaltensalternativen existieren. Um die damit einhergehende
Unsicherheit zu vermeiden, ist es einfacher, wieder zum gewohnten Mittel
Alkohol zu greifen. Die Versuche, darauf zu verzichten, bleiben vergeblich.
So rückt der Alkohol selbst mehr und mehr in den Mittelpunkt der
Problematik. Möglicherweise ist Angehörigen oder Freunden aufgefallen,
dass der Alkoholkonsum über ein "normales” Maß hinaus
geht. Durch erfolglose Versuche, das Trinken wieder unter Kontrolle zu
bekommen, entsteht ein schlechtes Gewissen, was häufig wieder zum
erneuten Alkoholkonsum führt. So rutscht der Betroffene immer weiter
in einen typischen Teufelskreis der Abhängigkeit.
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C
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Teufelskreis
der Abhängigkeit
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Der Weg aus diesem Teufelskreis heraus ist schwierig. Der erste entscheidende
Schritt ist das Eingeständnis der eigenen Abhängigkeit. Für
die meisten ist gerade dieser Schritt der schwierigste. Nach wissenschaftlichen
Untersuchungen, die sich mit dem Verlauf der Alkoholabhängigkeit
beschäftigt haben, kann man in der Entwicklung vier Veränderungsphasen
unterscheiden.
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Teufelskreis der
Abhängigkeit |
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Der erste
Schritt
aus dem Teufelskreis,
ist das Eingeständnis
der eigenen
Abhängigkeit...
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D
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Vier
Phasen der Veränderung
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1.
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Vor-Bewusstwerdung
Der Betroffene sieht in seinem Alkoholkonsum noch kein Problem,
hat das Trinken nach eigener Meinung unter Kontrolle und sieht keinerlei
Notwendigkeit, am Trinkverhalten etwas zu ändern. Lediglich
Angehörige oder Kollegen machen sich Sorgen. Das Eingeständnis
der Abhängigkeit ist für viele Betroffene äußerst
bedrohlich. Sie wehren sich mit aller Macht dagegen und versuchen
mit immer ausgefeilteren Methoden, die Umwelt aber auch sich selbst
von der Harmlosigkeit ihres Trinkverhaltens zu überzeugen.
In dieser Phase wäre eine erzwungene Behandlung wenig erfolgversprechend.
Hier kommt es viel mehr darauf an, den Betroffenen bei der zur Veränderung
notwendigen Einsicht zu unterstützen.
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2.
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Kritische Betrachtung
Der Betroffene beginnt, sich kritisch mit seinem Alkoholkonsum auseinander
zu setzen. Für eine zielgerichtete Behandlung ist es in dieser
Phase jedoch zu früh. Viel mehr geht es zunächst darum,
verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und –ziele zu vergleichen.
Da die Entscheidung, Hilfe für die Alkoholproblematik in Anspruch
zu nehmen, noch auf schwachen Beinen steht, ist es in dieser Phase
für den Betroffenen hilfreich, wenn er Unterstützung in
der Entscheidungsfindung erfährt, ohne das Gefühl zu haben,
in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden.
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3.
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Handlung
Der Betroffene hat sich für eine bestimmte Form der Behandlung
entschieden und beginnt nun aktiv mit dem Veränderungsprozess.
Wichtig in dieser Phase ist, gemeinsam mit dem Betroffenen individuelle
Ziele und geeignete Strategien zu deren Erreichung zu erarbeiten.
Misserfolge und Stagnation stellen die Veränderungsmotivation
des Betroffenen immer wieder auf eine harte Probe.
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4.
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Stabilisierung
In dieser Phase geht es um die Stabilisierung der gefassten Abstinenzabsicht.
Hierbei ist besonders der Umgang mit typischen Rückfallsituationen
wichtig, da diese weiterhin ein hohes Risiko darstellen. Schwierig
für die Betroffenen ist oft eine misstrauische Haltung von
Angehörigen oder Freunden, die seine Abstinenzabsichten fortdauernd
auf die Probe stellen.
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In der Realität laufen diese Phasen natürlich nicht klar abgegrenzt
voneinander ab. Es gibt Übergänge und auch die Reihenfolge muss
nicht immer genau dem oben beschriebenen Muster folgen. Als grobe Orientierung
kann dieses Phasenmodell jedoch hilfreich sein, vor allem, was eine effektive
Therapieplanung angeht und welche Maßnahmen für den Betroffenen
zum gegebenen Zeitpunkt sinnvoll sind.
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Eine erfolgreiche
Entzugsbehandlung
ist keine
Garantie für
einen
dauerhaften
Erfolg...
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Einmal ist keinmal –
der erste Schritt
in
den Rückfall...
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E
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Entzugsbehandlung
steht am Anfang
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Ist der Entschluss für eine Behandlung gefallen, steht in den meisten
Fällen der Entzug an erster Stelle. Dieser sollte wenn möglich
unter ärztlicher Aufsicht oder in einer darauf spezialisierten Klinik
stattfinden. Erst wenn eine vorläufige Abstinenz hergestellt und
eine körperliche Stabilität wieder erreicht ist, ist eine intensive
Psychotherapie sinnvoll. Allerdings ist die Integration psychotherapeutischer
Elemente zur Stärkung der Behandlungs- und Abstinenzmotivation schon
während der Entzugsbehandlung zu empfehlen.
Eine erfolgreiche Entzugsbehandlung ist allerdings noch keine Garantie
für einen dauerhaften Therapieerfolg. In vielen Fällen kommt
es nach dem Entzug bei den Betroffenen zu Rückfällen. Dies geschieht
besonders häufig nach einer längeren Abstinenzphase, wenn sich
langsam das Gefühl einstellt, "es geschafft zu haben”,
das Alkoholproblem unter Kontrolle zu haben. Diese Einstellung führt
zu Unvorsichtigkeit in typischen Risikosituationen, die Gefahr eines Rückfalls
wächst.
Acht typische Risikosituationen
Man unterscheidet in der wissenschaftlichen Forschung und Therapieplanung
acht typische Risikosituationen:
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1.
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Negative Gefühle
Bei Ärger, Trauer, Streit oder beruflichem Stress steigt der
Druck, Alkohol zu trinken, um sich zu beruhigen, die negativen Gefühle
nicht mehr oder zumindest weniger intensiv ertragen zu müssen
("Ich trank vor allem, wenn ich mich insgesamt deprimiert und
einsam fühlte.”).
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2.
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Körperliche Beschwerden
Alkoholgenuss führt bei körperlichem Unwohlsein zu einer
subjektiven Besserung der Beschwerden bzw. der unangenehmen Zustände
("Ich trank vor allem, wenn ich mich körperlich unwohl
oder krank fühlte, wenn ich Schlafstörungen hatte oder
wenn ich wacher, munterer oder unternehmungslustiger werden wollte!”).
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3.
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Kontrolliertes Trinken
Wenn durch eine längere Abstinenzphase die Sicherheit entstanden
ist, nunmehr kontrolliert mit Alkohol umgehen zu können, steigt
die Gefahr, die bisherige Abstinenz zu verletzen und so wieder in
alte Verhaltensweisen zurück zu fallen ("Ich trank vor
allem, wenn ich sehen wollte, ob ich kontrolliert trinken kann,
wenn ich mir beweisen wollte, dass Alkohol kein Problem für
mich darstellt oder wenn ich herausfinden wollte, ob ich gelegentlich
etwas Alkohol trinken kann, ohne erneut in die Abhängigkeit
zu rutschen!”).
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| 4. |
Verlangen
In bestimmten Situationen, die früher mit Alkohol verbunden
waren, kann es plötzlich zum Auftreten von körperlichem
Verlangen kommen, das sich in Unruhe, Schwitzen, zittrigen Händen
oder anderen Symptomen äußern kann. Wird der Betroffene
durch dieses Verlangen überrascht, wirkt es oft übermächtig,
der Griff zum Alkohol scheint unausweichlich ("Ich trank vor
allem, wenn ich an einem Ort war, an dem ich früher Alkohol
gekauft oder getrunken habe, wenn ich unerwartet eine Flasche meines
Lieblingsgetränks fand oder zufällig etwas sah, was mich
an Alkohol erinnerte!”).
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| 5. |
Angenehme Gefühlszustände
Alkohol wird nicht nur eingesetzt, um unangenehme Gefühle zu
bekämpfen, sondern auch, um angenehme Gefühle zu verstärken
oder zu verlängern ("Ich trank vor allem dann, wenn ich
glücklich war, wenn ich mit mir und meinem Leben rundum zufrieden
war oder wenn ich mich an ein positives Ereignis erinnerte!”).
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| 6. |
Geselligkeit
Situationen, in denen mehrere Menschen beisammen sind und in denen
üblicherweise Alkohol getrunken wird, sind für viele Betroffene
eine große Herausforderung und mit einem hohen Rückfallrisiko
verbunden ("Ich trank vor allem, wenn ich mich gemeinsam mit
alten Freunden amüsieren wollte oder wenn ich mich jemandem,
den ich mochte, noch näher fühlen wollte!”).
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| 7. |
Konflikte
Als soziale Konflikte sind sowohl offene Auseinandersetzungen gemeint
als auch Konflikte, die sich eher im Erleben des Betroffenen abspielen.
Alkohol kann in solchen Situationen dazu dienen, den vorhandenen
Konflikt weniger bewusst wahrzunehmen oder damit verbundene negative
Gefühlszustände erträglicher zu machen ("Ich
trank vor allem, wenn es zu Hause Krach gab, wenn ich mich in Gegenwart
anderer Personen unwohl fühlte oder wenn ich mit anderen an
meiner Arbeitsstelle oder in meiner Ausbildung nicht zurecht kam!").
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| 8. |
Soziale Verführung
Nicht selten finden sich im Freundeskreis eines Alkoholabhängigen
einige Menschen, die den Betroffenen schon früher zum Trinken
überredet haben und auch weiterhin nicht akzeptieren wollen,
dass er auf Alkohol verzichten möchte. Durch die Aufforderung
zum Mittrinken kann für den Betroffenen ein enormer Druck entstehen,
dem er kaum standhalten kann ("Ich trank vor allem, wenn Freunde,
mit denen ich unterwegs war, wiederholt vorschlugen, dass wir gemeinsam
etwas trinken sollten oder wenn ich glaubte, eine Aufforderung zum
Mittrinken nicht ablehnen zu können!").
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Rückfallschock
Der erste Schritt in den Rückfall erfolgt in vielen Fällen nach
dem Motto "Einmal ist keinmal". Der Betroffene greift trotz
Behandlungserfolg und Abstinenzvorsatz in einer bestimmten Situation wieder
zum Alkohol. Warum bleibt es in vielen Fällen nicht bei diesem einen
Ausrutscher? Warum kommt es häufig zu einem schnellen Abrutschen
in alte Verhaltensweisen? Oft stellt sich nach den ersten Schlucken Alkohol
in einer solchen Situation ein schlechtes Gewissen ein. Es kommen Gedanken
wie "Ich habe es schon wieder nicht geschafft zu widerstehen. Die
Therapie hat nichts gebracht!". Anstatt sich an die Erfolge der Behandlung
zu erinnern und zu versuchen, die Abstinenzabsicht wieder zu stärken,
liegt nun der Gedanke "Jetzt ist es sowieso egal! Jetzt kann ich
auch weiter trinken!" näher. Je mehr der Betroffene nun diesen
Gedanken nachgibt, desto stärker werden die Schuldgefühle: "Ich
bin ein hoffnungsloser Fall, ein Versager! Ich bin eine Zumutung für
meine Familie!". Von hier aus ist der Weg nicht mehr weit zurück
in die Spirale des bekannten abhängigen Verhaltens; führt häufig
sogar zu einer Verschlimmerung der Problematik. An diesem Punkt setzt die Therapie in der Christoph-Dornier-Klinik an. Wie diese aussehen kann, lesen Sie unter dem Punkt “Therapie zur Rückfallprophylaxe“.
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F
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Besonderheiten
der Medikamentenabhängigkeit
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Anders als beim
Alkohol werden
Medikamente immer
von Anfang an
wegen ihrer Wirkung
eingenommen...
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Die Gruppe der Medikamentenabhängigen ist sehr viel kleiner als die
der Alkoholabhängigen. Daher kommen deren speziellen Bedürfnisse
und Probleme in der Behandlung oder in Selbsthilfegruppen oft zu kurz.
Im Folgenden sollen die wichtigsten Unterschiede zwischen Alkohol- und
Medikamentenabhängigkeit sowie die Besonderheiten bei der Behandlung
der Medikamentenabhängigkeit kurz erläutert werden.
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Hoher Medikamentenkonsum in Deutschland
In Deutschland besteht ein besonders hoher Medikamentenkonsum. Statistisch
gesehen nimmt jeder Bundesbürger dreimal pro Tag ein Medikament ein,
oder anders gesagt: Im Laufe seines Lebens schluckt jeder Deutsche 80.000mal
ein Arzneimittel. Allerdings sieht die tatsächliche Verteilung anders
aus: Nur 20% der Bevölkerung nehmen die Hälfte aller Medikamente
zu sich. Zu den "Risikogruppen" gehören vor allem Frauen,
die doppelt so viele Arzneimittel nehmen wie Männer. Hierzu gehören
aber auch Menschen mit chronischen Schmerzen oder Ängsten sowie Alkohol-
oder Drogenabhängige.
Anders als bei Alkoholabhängigkeit steigt das Risiko für eine
Medikamentenabhängigkeit mit zunehmendem Lebensalter.
Zu den Medikamenten, bei denen sich am häufigsten eine Abhängigkeit
entwickelt, gehören Beruhigungsmittel
(Tranquilizer), Schlafmittel (Hypnotika),
Aufputschmittel und Schmerzmittel,
hierbei vor allem die sogenannten zentralwirksamen Medikamente (Opiate).
Aber auch viele andere, z. T. frei verkäufliche Medikamente wie Appetitzügler,
Abführmittel oder rezeptfreie Schmerzmittel können zu Abhängigkeiten
oder massiven gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen führen,
wenn sie zu oft oder in zu hohen Mengen eingenommen werden.
Zwar gibt es Medikamente, vor allem solche mit hohem Suchtpotential,
nicht wie Alkohol an jeder Straßenecke zu kaufen, aber der oft "lockere"
Umgang mit Medikamenten sowohl mancher Ärzte als auch Patienten,
machen die Beschaffung selbst rezeptpflichtiger Arzneimittel über
einen längeren Zeitraum möglich. Darüber hinaus verspricht
die Pharmaindustrie mit immer neu entwickelten Medikamenten Aussicht auf
absolute Beschwerdefreiheit und legt dem Verbraucher nahe, es gebe für
jedes Problem ein geeignetes Medikament. Andere Möglichkeiten, mit
Krankheiten und Beschwerden umzugehen und die eigene Heilung selbst zu
beeinflussen, werden oft vernachlässigt.
Einstieg
Anders als beim Alkohol werden Medikamente immer von Anfang an wegen ihrer
Wirkung eingenommen, und nicht weil es gut schmeckt oder es alle anderen
auch tun. Am Anfang steht immer ein Problem, für das der Betroffene
eine Lösung sucht. Daher können sich Medikamentenabhängige
oft besser als Alkoholiker an den Beginn der Abhängigkeitsentwicklung
erinnern.
Konsumverhalten
Während bei Alkohol die Geselligkeit und soziale Verführung
- vor allem bei Rückfällen - eine große Rolle spielen,
findet der Gebrauch von Medikamenten meist im Verborgenen statt. Nicht
die Einnahme steht bei Medikamenten im Vordergrund, sondern ganz klar
die Wirkung. Dieser Unterschied führt dazu, dass eine Medikamentenabhängigkeit
viel länger unbemerkt bleiben kann als eine Alkoholabhängigkeit.
Die Betroffenen werden in den meisten Fällen nicht durch ihr Verhalten
auffällig. Sie haben keine "Fahne", die Medikamente lassen
sich gut verstecken und unauffällig einnehmen.
Wirkung
Die Wirkung von Medikamenten ist im Gegensatz zur Wirkung von Alkohol
schwerer vorherzusagen. Neben einer Toleranzsteigerung kann es bei Medikamenten
auch zu einer Wirkungsumkehr kommen. Manche Medikamentenabhängige
nehmen z. B. nach einiger Zeit Beruhigungsmittel, um wach zu werden. Darüber
hinaus können vor allem durch die Kombination verschiedener Medikamente
(z. B. Schlafmittel und Aufputschmittel) unvorhersehbare Komplikationen
auftreten.
Abhängigkeitsentwicklung und Entzug
Manche Medikamente verfügen über ein wesentlich höheres
Suchtpotential als Alkohol. Schon nach wenigen Tagen können körperliche
Entzugserscheinungen auftreten, die den ursprünglichen Symptomen
sehr ähnlich sind und den Betroffenen zur erneuten Medikamenteneinnahme
bewegen. Die häufig sehr starken und langwierigen Entzugserscheinungen
von Medikamenten machen es dem Abhängigen besonders schwer, den ersten
Schritt in Richtung Abstinenz zu gehen. Während Alkoholabhängige
nach den ersten Tagen des Entzugs meist eine deutliche Besserung bemerken,
können Entzugserscheinungen bei Medikamenten auch verzögert
erst nach mehreren Tagen einsetzten und länger anhalten.
Psychotherapeutische Behandlung
Für die psychotherapeutische Behandlung gelten in jedem Fall die
gleichen Grundsätze wie bei der Alkoholabhängigkeit. Das Hauptziel
der Therapie ist es, mit dem Betroffenen alternative Bewältigungsmöglichkeiten
für Problemsituationen zu erarbeiten, so dass er in Zukunft ohne
die Medikamente auskommen kann. Da sich allerdings das Konsumverhalten,
wie oben beschrieben, anders darstellt als bei einer Alkoholabhängigkeit,
spielt die Konfrontation mit dem Suchtmittel (Exposition in vivo) bei
Medikamentenabhängigkeit in den meisten Fällen eine weniger
große Rolle. Vielmehr geht es darum, das Vertrauen der Betroffenen
in die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit Problemen zu stärken.
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© CDK CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK GmbH, 2009
Tibusstrasse 7- 11, 48143 Münster, Telefon: 0251 48 10-0
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