CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK FÜR PSYCHOTHERAPIE
 


DIE DIAGNOSE VON ALKOHOLABHÄNGIGKEIT
Kriterien für Alkoholabhängigkeit  |  Kriterien für Alkoholmissbrauch 
   

Zum ersten Mal wurde Alkoholismus im Jahr 1774 vom amerikanischen Arzt Benjamin Rush als ”Krankheit des Willens” beschrieben und wurde so zum Gegenstand medizinischer bzw. psychologischer Forschung. Seit 1968 ist Alkoholabhängigkeit gesetzlich als Krankheit anerkannt, das heißt die Betroffenen haben Anspruch auf eine Behandlung.
Um Alkoholabhängigkeit und –missbrauch zuverlässig feststellen zu können, wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kriterien zur Diagnose festgelegt. Diese Kriterien finden sich in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) oder im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen (DSM-IV). Gerade in den letzten Jahren wurden die Kriterien zunehmend verfeinert und spezifiziert, was immer zuverlässigere und sicherere Diagnosen möglich macht.

Wichtig bei der Diagnose ist die Unterscheidung zwischen Alkoholabhängigkeit und Alkoholmissbrauch.

 

 


Der Betroffene

trinkt häufig mehr

oder über einen

längeren Zeitraum,

als er sich vor-

genommen hatte...




  Kriterien für Alkoholabhängigkeit
 

1. Toleranzentwicklung:
Eine Steigerung der Toleranz kann sich darin zeigen, dass eine erhebliche Dosissteigerung erforderlich ist, um die gewünschte Wirkung zu erzielen oder dass eine gleichbleibende Dosis zu einer deutlich geringeren Wirkung führt.

2. Entzugssymptome
Nach Beendigung oder Einschränkung eines übermäßigen oder langandauernden Alkoholkonsums kommt es zu typischen Symptomen wie Schwitzen oder erhöhtem Puls, Zittern der Hände, Schlaflosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, vorübergehenden Halluzinationen, Unruhezuständen oder Angst. Wenn mindestens zwei dieser Beschwerden vorliegen, spricht man von Entzugssymptomen. Diese Symptome lassen nach, wenn wiederum Alkohol konsumiert wird.
Es existiert jedoch auch eine ansehnliche Minderheit von Alkoholabhängigen, die nie unter Entzugssymptomen zu leiden haben und nur 5% der Betroffenen erleben jemals ernsthafte Komplikationen beim Entzug.

3. Häufigkeit
Der Betroffene trinkt häufig mehr oder über einen längeren Zeitraum, als er sich vorgenommen hatte.

4. Abbruchversuche
Es besteht ein anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche, den Alkoholkonsum zu verringern oder zu kontrollieren.

5. Beschaffungsaufwand
Es wird viel Zeit darauf verwendet, Alkohol zu beschaffen (z. B. Fahrt längerer Strecken) oder zu konsumieren.

6. Einschränkung von Aktivitäten
Wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Alkoholkonsums aufgegeben oder eingeschränkt.

7. Gesundheitsschäden
Die Betroffenen trinken weiterhin Alkohol trotz vorhandener körperlicher oder psychischer Probleme, die wahrscheinlich durch den Alkoholkonsum verursacht wurden (Leberschäden, Depression).


Als Kurzdefinition von Alkoholabhängigkeit kann festgehalten werden:

 

Alkoholabhängig ist entweder

wer den Konsum von Alkohol nicht beenden kann, ohne dass unangenehme Zustände körperlicher oder psychischer Art eintreten oder

wer nicht aufhören kann zu trinken, obwohl er sich oder anderen immer wieder schweren Schaden zufügt.

 

 


Alkoholkonsum

führt dazu,

dass wiederholt

Verpflichtungen

nicht erfüllt werden...




 

Kriterien für Alkoholmissbrauch

1. Leistungsabfall
Alkoholkonsum führt dazu, dass wiederholt Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder im Haushalt nicht erfüllt werden (z. B. Fehlzeiten bei der Arbeit, schlechte Schul- oder Arbeitsleistungen, Schuleschwänzen, Vernachlässigung von Kindererziehung oder Haushalt).

2. Gefährdungen
Die Betroffenen trinken wiederholt in Situationen, in denen es aufgrund von Alkoholkonsum zu körperlichen Gefährdungen kommt (Alkohol am Steuer, Bedienen von Maschinen).

3. Gesetzliche Konflikte
Wiederkehrende Probleme mit dem Gesetz aufgrund von Alkoholkonsum (Festnahme wegen Alkohol am Steuer oder auffälligen Verhaltens in der Öffentlichkeit).

4. Soziale/Zwischenmenschliche Probleme
Alkohol wird fortgesetzt getrunken, obwohl massive Probleme in Bezug auf den Alkoholkonsum im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich bestehen (z. B. Auseinandersetzung mit dem Ehepartner).

Wenn zu diesen Kriterien eine Toleranzentwicklung oder das Auftreten von Entzugssymptomen hinzukommen, ist eher von einer Abhängigkeit als von einem Missbrauch auszugehen.

 

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