Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die führenden psychiatrischen
Vereinigungen der USA und der europäischen Länder haben sehr
genaue Klassifikationssysteme entwickelt, um die Erkennung psychischer
Krankheiten präzise und zuverlässig zu machen:
Das sog. "ICD-10" (10. Revision der International Classification
of Diseases der WHO), und das sog. "DSM-IV" (4. Auflage
des Diagnostischen und Statistischen Manuals psychischer Störungen
der psychiatrischen Vereinigungen). Für die Anorexia nervosa (Magersucht)
wurden diese Anleitungen in den letzten Jahren zunehmend verfeinert und
verbessert, so dass heute die Krankheit anhand klinischer Merkmale gut
erkannt und die Diagnose sicher und zuverlässig gestellt werden kann.
Damit die Diagnose einer Anorexia nervosa festgestellt werden kann, sollten
bei einer Person die folgenden Merkmale vorhanden sein:
1. Untergewicht: Das Körpergewicht
liegt 15% unter dem für diese Person zu erwartenden Körpergewicht
(der Body-Mass-Index
ist kleiner als 18). Die Person bemüht sich, ihr Körpergewicht
unter diesem Minimum zu halten.
2. Aktive Gewichtsreduktion:
Als Maßnahme wird vor allem die Vermeidung hochkalorischer
Speisen (Fasten, Diät usw.) eingesetzt. Daneben auch: absichtliches
Erbrechen, Einsatz von Abführmitteln oder Appetitzüglern
oder Entwässerungsmitteln, übertriebene körperliche
Aktivitäten (z.B. Sport).
3. Angst vor dem Dicksein:
Trotz des Untergewichts besteht eine starke und tiefverwurzelte
Angst davor, dick zu werden. Diese Angst wird durch bestimmte, vor
allem kalorienreiche süße und fette Lebensmittel, und
auch durch die Wahrnehmung des eigenen Körpers besonders stark
ausgelöst.
4. Körperschemastörungen:
Die Wahrnehmung von Körpergewicht, -form und –grösse
ist gestört, d.h. die Person empfindet sich als viel zu dick,
auch wenn sie weiß, dass sie stark untergewichtig ist. Das
Untergewicht wird so geleugnet. Die gesamte Selbstwerteinschätzung
hängt zudem ganz von Körpergewicht und Figur ab.
5. Hormonelle Störungen:
Bei Frauen und Mädchen ist die Menstruation seit mindestens
3 Monaten ausgeblieben (oder hat noch nie eingesetzt). Bei Männern
und Jungen kommt es zum Verlust sexueller Funktionen.