CHRISTOPH-DORNIER-KLINIK FÜR PSYCHOTHERAPIE
 


WAS SIND AUTISMUS UND DAS ASPERGER-SYNDROM?

Selbsthilfe für Betroffene
des Asperger-Syndroms  



 

Das Asperger - Syndrom gehört zum Spektrum der autistischen Störungen. Diese werden von der Weltgesundheitsorganisation in ihrer „International Classification of Diseases“ ICD, einer internationalen Übereinkunft über diagnostische Kriterien körperlicher und seelischer Krankheiten, als „tiefgreifende Entwicklungsstörungen“ bezeichnet. Sie sind durch eine qualitative Beeinträchtigung in der sozialen Interaktion und der Kommunikation sowie ein eingeschränktes oder sich wiederholendes Interessenspektrum charakterisiert. Die individuellen Ausprägungen können dabei sehr unterschiedlich sein. Inselbegabungen, beispielsweise enorme Gedächtnis- oder Rechenleistungen, die in der Öffentlichkeit oft mit Autismus assoziiert werden, betreffen in der Realität nur sehr wenige Menschen.

Alle autistischen Störungen beruhen auf einer angeborenen Entwicklungsstörung des Gehirns, haben also eine biologische Grundlage. Nach derzeitigem Wissensstand sind bei autistischen Menschen bestimmte Verbindungsstrukturen und Vernetzungen zwischen verschiedenen Hirnarealen anders angelegt als bei gesunden Menschen. Durch diese veränderten Anlagen sind autistische Menschen in charakteristischer Weise „anders“ als typisch entwickelte Menschen. Alle Theorien, die Autismus auf pädagogisch-psychologische Faktoren oder medizinische Einflüsse wie Impfungen zurückführten, sind dagegen wissenschaftlich nicht zu halten.

Auch wenn Autismus wahrscheinlich als biologisch bedingte Erkrankung schon so lange existiert, wie es Menschen gibt, wurde er doch erst recht spät als definierbare Einheit beschrieben. Dies geschah unabhängig voneinander in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch Leo Kanner und Hans Asperger. Kanner beschrieb 1943 eine Gruppe von elf aus heutiger Sicht „typischen“ frühkindlichen Autisten mit schweren intellektuellen und sprachlichen Beeinträchtigungen bis hin zum kompletten Fehlen einer funktionalen Sprache, Asperger 1944 dagegen vier Jugendliche, die bei intakter Intelligenz und zeitgerechter Sprachentwicklung vor allem im sozialen Miteinander schwer beeinträchtigt waren und aus heutiger Sicht das 1980 nach Asperger benannte Syndrom repräsentieren.

„Asperger- und Kanner-Syndrom“ oder „autistisches Spektrum“?
Historisch werden deshalb das Kanner-Syndrom oder die frühkindliche Form des Autismus und das Asperger-Syndrom unterschieden. Die Mehrzahl der Menschen mit der frühkindlichen Form des Autismus ist auch kognitiv also im Denken, Lernen, Erinnern und Konzentrieren beeinträchtigt; häufig bestehen zudem neurologische Begleiterkrankungen. Die Sprachentwicklung ist stark verzögert, viele Betroffenen erlernen niemals eine funktionale Sprache.

Menschen mit dem Asperger-Syndrom weisen dagegen zumeist keine Störung der sprachlichen und geistigen Entwicklung auf, sind aber trotzdem durch die sozialen und kommunikativen Probleme im privaten und beruflichen Bereich erheblich beeinträchtigt.

Heute ist umstritten, ob es tatsächlich eine solch eindeutige „Zweiteilung“ gibt; viel spricht dafür, dass Autismus eher ein Spektrum mit kontinuierlichen Übergängen darstellt. Beispielsweise sind intellektuell normal begabte Menschen mit frühkindlichem Autismus im späteren Leben nicht sicher von Menschen mit der Erstdiagnose „Asperger-Syndrom“ abzugrenzen; auch scheint eine gezielte Förderung im Einzelfall große Entwicklungsfortschritte zu ermöglichen. Deshalb hat sich im angloamerikanischen Bereich der Begriff des „autism spectrum disorders“ etabliert.

Es gibt keine „Heilung“, aber hilfreiche Interventionen
Da den autistischen Störungen eine angeborene strukturelle neurobiologische Veränderung zugrunde liegt, kann man diese nicht ursächlich beseitigen. Wohl aber gibt es eine Reihe erprobter, wissenschaftlich fundierter Interventionsverfahren, mit denen belastende Aspekte vermindert und Alltagsfähigkeiten und somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden können.

Bei Kindern mit frühkindlichem Autismus steht das erschwerte Imitationslernen im Vordergrund. Während gesunde Kinder durch Beobachten und Nachahmen lernen und sich Fähigkeiten spontan, quasi nebenbei, aneignen, ist dies bei autistischen Kindern stark erschwert. Sie benötigen vielmehr sehr individuell angepasste Lernumgebungen und Lernprogramme, die das mangelnde spontane Imitationslernen durch andere Techniken ausgleichen. Komplexe Vorgänge werden in Einzelschritte aufgegliedert; eine typische Szene aus einem solchen Programm wäre die, dass alle Kleidungsstücke, die ein Kind benötigt, in einer bestimmten Reihenfolge und Anordnung hingelegt und das Ankleiden „Stück für Stück“ oder sogar (Einzel-)Bewegung für Bewegung gelernt wird. Hierbei werden die aus der Lerntheorie bekannten Prinzipien des Verstärkungslernens eingesetzt.

Mit diesen zeitlich und personell hochintensiven Programmen (bis zu 40 Stunden Einzelförderung in der Woche), die um so bessere Erfolge erzielen, je früher sie einsetzen, können Alltagskompetenz, Sprache, nonverbale Kommunikation und viele andere Schlüsselfähigkeiten der Entwicklung erheblich gefördert, teilweise auf ein altersangemessenes Niveau gebracht werden.

In einigen Ländern sind eine solche Frühdiagnostik und -intervention etablierter Standard, in der Bundesrepublik stellt dies noch die Ausnahme dar; die Entwicklung von Netzwerken zeichnet sich jedoch immer mehr ab.

Bei Menschen mit dem Asperger-Syndrom sind die kognitiven und intellektuellen Fähigkeiten nicht spezifisch beeinträchtigt, Sprache und äußerliche Alltagskompetenzen entwickeln sich zeitgerecht.

Problematisch sind hier vor allem Defizite in der Fähigkeit, die emotionale Befindlichkeit des Gegenübers zu erfassen, die sich nicht nur im „Klartext“, sondern viel mehr in Unausgesprochenem, in Andeutungen, in Mimik und Gestik ausdrückt. Dadurch können Missverständnisse und Konflikte entstehen. Sprache wird oft logisch korrekt, aber im Kontext unpassend wörtlich verarbeitet, der Umgang mit Ironie und Humor ist erschwert.

Die Christoph-Dornier-Klinik GmbH bietet deshalb verschiedene Bausteine an, die Menschen mit dem Asperger-Syndrom genau hier unterstützen können.

Für Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Asperger-Syndrom, die aus der näheren Umgebung kommen, existiert eine ambulante Gruppe, in der emotionale und soziale Kompetenzen gefördert und gezielt trainiert werden.

Darüber hinaus ist bei Bedarf auch eine stationäre Einzelbehandlung in der Klinik möglich. Wie bei anderen Störungen erlauben individuelles Vorgehen, Alltagsnähe und vor allem Intensität der Therapie hier gute Ergebnisse und kurze Behandlungszeiten.



 

Und so geht es

weiter ...


Informationen

Auf den folgenden Seiten finden Sie in Kürze detailliertere Informationen über die besonderen Merkmale und diagnostischen Kriterien des Asperger-Syndroms, seine Häufigkeit und typische biographische Komplikationen sowie psychische Folge- und Begleiterkrankungen. Darüber hinaus stellen wir Ihnen unsere Behandlungsangebote genauer vor.

Falls noch Fragen offen sind, rufen Sie uns an unter (0251) 4810-102 oder schicken uns eine e-mail info@c-d-k.de.
 



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